Digitales Geschichtsbuch

Projekt der Klasse 10b

Wirtschaft in den 1950er

Vorgeschichte

In der Nachkriegszeit ist Deutschland von den Alliierten in vier Besatzungszonen (Sowjetunion, USA, Frankreich, & Großbritannien) aufgeteilt worden. Auch Berlin, das eigentlich im Sektor der Sowjetunion lag wurde zwischen den vier Mächten aufgeteilt. Nach Streitigkeiten auf der Potsdamer Konferenz 1945 war es aufgrund der großen Systemunterschiede zwischen den USA und der Sowjetunion zu einem Ost/West-Konflikt gekommen. Ein gemeinsames Vorgehen bezüglich Deutschlands schien undenkbar. Im März 1948 schlossen sich die Westmächte (USA, Großbritannien & Frankreich) ihre Besatzungszonen zu einer Trizone d.h. zu einem gemeinsamen Wirtschaftsgebiet zusammen, was eine der Grundlagen für die Gründung des westdeutschen Staates schaffte . Die Westmächte führten dort unabgesprochen mit der Sowjetunion eine Währungsreform durch. Die am 20. Juni 1948 erfolgte Währungsreform war Voraussetzung für die erfolgreiche Umsetzung des US-amerikanischen Marshallplans, der vorsah das durch den 2. Weltkrieg zerstörte Europa politisch und wirtschaftlich zu stabilisieren. Die deutsche Reichsmarkt, die nach dem 2.Weltkrieg nichts mehr wert war, wurde durch die Deutsche Mark (Westmark) ersetzt.

Die Sowjetunion reagierte nur wenige Tage später mit einer Gegenwährungsreform zur Ostmarkt, weil das SED-Regime nun befürchtete von den in Westberlin nun nicht mehr gültigen, aber bei ihnen immer noch zugelassenen Reichsmark überflutet zu werden, was zu einem Kollaps der Ostwirtschaft geführt hätte. Die Sowjetunion wollte ihre Währungsreform auf ganz Berlin ausweiten, da sie schon länger befürchtete, dass sich die Westmächte die Stadt unter den Nagel reißen. Die Westmächte allerdings boykottierten diese Forderung. Diese Streitigkeiten mundeten am 24. Juni 1948 in der Berlin-Blockade in der das sowjetische Militär alle Transitwege und auch die Stromversorgung von Westdeutschland zu Westberlin bis zum 12.Mai 1949 abriegelte. Die Versorgung von knapp zwei Millionen Menschen musste durch eine von den Westmächten organisierte Luftbrücke sichergestellt werden.

Luftbrücke bei Berlin-Blockade: Die Rosinenbomber kehren 2019 ...
Versorgung mit dem Flugzeug während der Berlin Blockade 1948

Die Entstehung von zwei deutschen Wirtschaftsgebieten hatte ein Jahr später die deutsche Teilung zur Folge. Die 1949 gegründeten Teilstaaten DDR und BRD grenzten sich als Folge des Kalten Krieges immer weiter von einander ab. Die USA forderte die wirtschaftliche Stabilisierung des westdeutschen Staates immer weiter, um ihn und Europa von der Sowjetunion abzuschirmen. Auch durch die von Bundeskanzler Adenauer in den 50er Jahren betrieben Westintegration entwickelte sich die BRD zu einem politisch und wirtschaftlich stabilen Staat. Mit der Zeit verfügten die BRD und die DDR über grundlegend verschiedene Wirtschaftssysteme. Während in der BRD die soziale Marktwirtschaft eingeführt worden war, setzte sich in der DDR die staatlich organisierte Planwirtschaft durch. Die Systemunterschiede wurden in den 1950er Jahren immer schlimmer und hatten eine hohe Abwanderungswelle in den Westen zur Folge, die 1961 durch den Bau der Berliner Mauer gestoppt wurde.

Soziale Marktwirtschaft in der BRD

In der BRD herrschten deutlich bessere Startbedingungen als im Osten. Der westdeutsche Staat erhielt durch den US-amerikanischen Marshallplan Wirtschaftshilfen und verfügte mit dem Ruhrgebiet über eine produktive Industriebasis. Als Drahtzieher der neuen Wirtschaftsordnung gilt Ludwig Erhart, der Wirtschaftsminister der BRD, der mit der sozialen Marktwirtschaft einen Mittelweg zwischen freier Marktwirtschaft und Planwirtschaft einschlug. Erhard erklärte 1948 mit der Währungsreform ein Ende der Zwangswirtschaft.

Das Ziel der sozialen Marktwirtschaft ist größtmöglicher Wohlstand bei bestmöglicher sozialer Absicherung. Es geht darum, von den Vorteilen einer freien Marktwirtschaft wie freie Arbeitsplatzwahl, freie Preisbildung, Wettbewerb und an einem breiten Angebot erschwinglicher Güter zu profitieren und gleichzeitig dessen Nachteile, beispielsweise Monopolbildung, Preisabsprachen oder existenzbedrohende Arbeitslosigkeit abzufedern. Deshalb greift der Staat in gewissen Ausmaß regulierend in den Markt ein und sichert die Bürger durch ein Netz an Sozialversicherungen gegen Krankheit und Arbeitslosigkeit ab.

Die Einführung der soziale Marktwirtschaft und die finanzielle Unterstützung der USA sorgten trotz anfänglicher Schwierigkeiten, wie zum Beispiel mit der Nachkriegsarbeitskosigkeit zu einem so genannten „Wirtschaftswunder“, denn es kam zu einem rasanten Aufschwung an Produktion, Exporten und Konsum und in Kurzer Zeit war der wirtschaftliche Vorkriegsstand erreicht.

Die Löhne steigen zu Beginn der 50er Jahre zum trotze der Arbeiter zuerst nur langsam, denn die erzielten Gewinne flossen direkt in den Ausbau der Industrie. Deshalb gab es anfangs auch häufig Demonstrationen, da sich die Arbeiter ungerecht behandelt fühlten. Produktionen von Konsumgütern spielten in der ersten Hälfte der 50er auch keine Rolle, denn zu Beginn wurde hauptsächlich in den Bergbau und die Stahlindustrie investiert und dann erst später in Chemie- und Elektroindustrie und Maschinenbau. Die Finanzlage vieler Betriebe wurde durch die Zuschüsse der USA und die Investitionsbereitschaft stark verbessert.

Durch die Förderung der Industrie entstanden viele neue Arbeitsplätze. Auch die zahlreichen Vertriebene und Flüchtlinge wurden zum Aufbau der Wirtschaft eingesetzt. Frauen allerdings, die am Kriegsende und in den ersten Jahren danach in vielen Bereichen der Wirtschaft arbeiteten, wurden wieder nach Hause geschickt, denn die Männer waren aus dem Krieg zurückgekehrt und das Frauen- und Familienbild der Adenauerregierung sah nur eine Berufstätigkeit der Frau bis zur Eheschließung vor. Aber da der Arbeitskräftebedarf der aufstrebenden Wirtschaft so groß war, mangelte es in den 1950er sogar an Arbeitskräften. Deshalb begannen Unternehmen ausländische Arbeitskräfte, also Gastarbeiter einzustellen. Die BRD schloss 1955 das erste Gastarbeiterabkommen mit Italien später folgten dann Abkommen mit Portugal, Griechenland, Spanien und der Türkei. Die meist ungelernten Arbeiter arbeiteten in Fabriken und auf dem Bau und später vor allem im Bergbau.

Lokomotiven, Industrieanlagen, Maschinen und Motoren wurden in alle Welt verkauft. Die Bundesrepublik als Industriestandort lockte mit billigen Produktionskosten,hoher Qualität und fortgeschrittener Technik viele Firmen aus dem Ausland, dadurch stiegt die Exportquote rasant an. Durch die Aufnahme in Handelsorganisation wird die Wirtschaft zusätzlich gestärkt.

Ab Mitte der 50er stiegen dann endlich die Löhne und die Lebenserhaltungskosten stagnierten, dadurch bliebt mehr Geld für den privaten Konsum übrig. Die Deutschen gerieten in einen Kaufrausch. Sie kauften Elektrogeräte, Autos, Möbel, die durch Massenfertigung endlich wieder erschwinglich waren und auch Reisen gelangten wieder in den Bereich des Möglichen.

60 Jahre BRD: Die 1950er im Alltag - ... und mit der Familie - BRD ...

An dem wachsenden Wohlstand hatten alle Anteil: die Arbeiter und nach der Rentenreform 1957 auch die Alten. Die Bundesregierung unterstützte zudem den Traum vom Haus im Grünen mit zinsgünstigen Baukrediten. In den 1950er bildeten sich die Maßstäbe der Lebensqualität die heute als selbstverständlich gelten.

Ludwig Erharts Konzept „Wohlstand für alle“ und der Plan der USA scheint aufgegangen zu sein. Erhard wehrt sich allerdings gegen den Begriff des Wirtschaftswunders, da er den wirtschaftlichen Aufstieg der Bundesrepublik als Folge von harter Arbeit, Wiederaufbauleistung und in den ersten Jahren dem Verzicht auf persönliche Konsumbedürfnisse sieht und nicht als Wunder, das über Nacht gekommen war.

Durch den Aufbau der Wirtschaft fand die BRD auch wieder die Wertschätzung anderer Länder, zu denen das Verhältnis durch den Krieg zerrüttet worden war und auch der Nationalstolz der Bundesdeutschen wurde wieder gestärkt.

Der VW-Käfer wurde Symbol für das „Wirtschaftswunder“ der 50er. Das millionste VW-Käfer rollte 1955 als vergoldetes Exemplar in Wolfsburg vom Band.

1955: Millionster VW-Käfer rollt vom Band | NDR.de - Geschichte ...

Planwirtschaft in der DDR

Die DDR erhielt im Gegensatz zur BRD keine Wirtschaftshilfen. Zudem wurden sie von der Sowjetunion durch Demontagen und Reparationsforderungen zusätzlich geschwächt.

Das SED-Regime betriebt nach der Gründung der DDR als einzige regierende Partei weiter den Umbau der Wirtschaft nach sowjetischen Vorbild. Das Regime ist von der Überlegenheit einer sozialistischen Planwirtschaft gegenüber der Marktwirtschaft überzeugt.

Die Planwirtschaft bedeutet eine zentrale, staatliche Lenkung und Kontrolle aller wirtschaftlicher Vorgänge durch Produktionspläne, die von der 1950 gegründeten Plankommission erstellt wurden. Der Staat bzw. die staatliche Planungsbehörde bestimmen in den Plänen die gesamte Produktion (d.h. wer welche Güter womit herstellt), die Verteilung der Güter (d.h. wer wie viel bekommt)und auch die Preise aller Güter und Dienstleistungen, dadurch wird die Gleichbehandlung aller Menschen sichergestellt und die Arbeitslosenquote sinkt. Oberes Ziel war die Erfüllung der in dem Plan festgelegten Normen, die auch regelmäßig überprüft wurden. Da die Preise ebenfalls von oben vorgegeben werden, wird der Wettbewerb zwischen den Bertrieben und das Streben nach mehr Gewinn allerdings eindämmt, was die Wirtschaft zunehmend schwächt und das wiederum führte zu kaum wirtschaftlichen Fortschritten und Innovationen. Durch die vorgegebenen Normen kam es zwischen den Betrieben und dem Staat immer wieder zu Interessenkonflikten, weshalb das Regime bis Mitte der 1950er Jahre die wichtigsten Produktionszweige (Stahl, Eisen, Chemie) und Industriebetriebe verstaatlicht. Die Zahl der privaten Betriebe sinkt bis zum Ende des Jahrzehnts auf 6 500. Bis dahin schloss die SED auch die Kollektivierung der Landwirtschaft ab, denn auch dort setzte man nun auf gemeinschaftliches Eigentum.

Der erste Fünfjahresplan von 1951 bis 1955 verfolgte vorrangig das Ziel, die Industrieproduktion zu verdoppeln und die Folgen der Kriegszerstörung zu beseitigen. Der Schwerpunkt lag auf der Schwerindustrie. Maschinenbau, Chemie-, Eisen- und Stahlindustrie wurden auf und ausgebaut, um die Rohstoffversorgung sicherzustellen. Dies passierte jedoch zur Lasten der Herstellung von Konsumgütern und Wohnungsbau.

Am 17.06.1953 erlebte die noch junge DDR dann ihre erste große Erschütterung: Ein Streik der Bauarbeiter in der Ost-Berliner Stalinallee wuchs sich zum landesweiten Arbeitsaufstand aus. In hunderten Orten wurde gestreikt und demonstriert. Hauptgründe waren die Erhöhung der Arbeitsnormen am 28.05 auf 10,3% , was einer Lohnkürzung gleichkommt, und weitere politische und wirtschaftliche Forderungen. Auch knappe Lebensmittelversorgungen oder kein Strom in der Nacht, machten die Menschen in der DDR unzufrieden. Der Streik wurde zum Aufstand gegen die kommunistische Herrschaft. Die DDR-Führung war Hilflos und ließ den Protest schließlich von sowjetischen Truppen niederschlagen. Am 18.06 kam es in Leipzig,Jena,Magdeburg und Ost-Berlin zur Festnahme von rund 20.000 Demonstranten, von denen 29 zum Tode verurteilt wurden. Am 21.06 erfolgte dann die Rücknahme der Arbeitsnormenerhöhung und Einführung von u.a. Fahrpreisermäßigungen und der Erhöhungen von Mindestrenten. Bis 1990 war der 17. Juni Feier-und Gedenktag: Tag der Deutschen Einheit. Als sie am 3. Oktober 1990 endlich Wirklichkeit wurde, gerät der 17.Juni in den Hintergrund. Aber auch wenn er heute kein Staatsfeiertag mehr ist: Für das wiedervereinigte Deutschland bleibt er ein wichtiger historischer Tag.

A "fejlődés" gyorsítása váltotta ki az első népfelkelést a keleti ...
Sowjetische Truppe schlagen den Aufstand 1953 gewaltsam nieder

Die Planwirtschaft der DDR entwickelte mit der Zeit immer mehr zur Mangelwirtschaft, denn die niedrigen Preise für Grundnahrungsmittel konnten nur durch hohe Zuschüsse vom Staat aufrecht erhalten werden und durch Planungsfehler der Planungsbehörden entstanden Versorgungsengpässe der Bevölkerung. Deshalb gehörte Schlange stehen so wie Tauschhandel und Selbstversorgung aus dem Garten in den 50er Jahren in der DDR zum Alltag.

DDR: Mit dem Plan in die Pleite - Wirtschaft - Tagesspiegel

Zudem führte der angestrebte Wandel der Gesellschaftsstrukturen bei den verbliebenen privaten Unternehmen, Handwerkern und Selbstständigen zu großer Unsicherheit. Nicht wenige Menschen verlassen die Ostzone Richtung Westen, um wieder frei arbeiten zu können. Auch der hohe Lebensstandard und der Wirtschaftsaufschwung im Westen führte viele zur Flucht. Diese Fluchtbewegung wurde durch den Mauerbau 1961 unterbunden.

Quellen:

https://www.planet-wissen.de/geschichte/deutsche_geschichte/wirtschaftswunder/index.html 15.04.2020

https://www.hdg.de/lemo/kapitel/geteiltes-deutschland-gruenderjahre/wirtschaft-und-gesellschaft-im-westen/wirtschaftswunder.html 15.04.2020

https://www.geschichte-abitur.de/deutsche-teilung/Wirtschaftssysteme 15.04.2020

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